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Renatas Kinderstube

Ich bin die zweite von fünf Kindern.

Hab drei Schwestern und einen Bruder, er ist nur ein Jahr jünger als ich. Als Kind war ich oft ziemlich gemein zu ihm und konnte mir nicht erklären, woher diese unterschwelligen Aggressionen kamen. Vermutlich hat er mir einfach zu früh die Mutter gestohlen, weil sie sich sehr intensiv um ihn gekümmert hat. Für mich gab es ja zum Glück Betty, das Hausmädchen, die mich sehr liebevoll betreute...

Heute sind alle meine Geschwister verheiratet und leben mehr oder weniger glücklich in ihren Familien. 

Ich bin geschieden und fühle mich als Quotenfrau, denn mindestens jede dritte Ehe wird ja geschieden, und einer muss ja schließlich die Quote erfüllen, also hab ich das - unfreiwillig - übernommen. Okay, mein Bruder hatte auch eine Scheidung von seinem kenianischen Abenteuer, aber er ist wieder im sicheren Hafen der Ehe gelandet, diesmal mexikanisch.

Wenn meine lieben  Geschwister begeisterte Mails schreiben darüber, was sie Schönes gemacht und erlebt haben, dann fühl ich mich plötzlich so gelähmt, weil ich nichts derartiges berichten kann. Dann kommt wieder dieses komische Gefühl in mir hoch, dass ich früher im Leben irgendwas ganz Grundlegendes falsch gemacht oder missverstanden habe, oder dass ich einfach nur immer am falschen Ort bzw. zur falschen Zeit lebe. Oder noch drastischer:  dass ich vielleicht im letzten Leben was ganz Schlimmes verbockt habe und in diesem Leben dafür büßen muß.

Okay, dieses Lebensgefühl hab ich nicht immer, aber doch ziemlich oft. Es ist ja nicht so, dass ich Grund zum Jammern hätte, noch bin ich einigermaßen gesund, ich habe Arbeit, ein Dach überm Kopf, ein paar FreundInnen und genug zu essen, manchmal zu viel.

Es ist nur dieses ständige  Alleinsein. Niemand,  mit dem ich mich gemeinsam freuen oder ärgern kann, der mir mal die Meinung sagt, der mich kennt, erträgt, aufbaut und mitnimmt. Keiner da zum Knuddeln, zum Streiten, zum Lieben, zum Bekochen oder einfach nur zum Anschauen...

Die Tage bestehen fast nur aus Arbeiten, Essen und Schlafen. Ich arbeite hart und viel um mein Leben als -unfreiwilliger- Single zu finanzieren. Aber für was lebe ich eigentlich? Für die Arbeit? Für den Staat?

Das kann es nicht sein, das hat auch nichts damit zu tun, wie ich mir mein Leben früher zurecht geträumt habe.

Wahrscheinlich hab ich immer zuviel geträumt als Teenager und sowiese immer die falschen Infos und Inputs bekommen, ungefähr so:

Als junge Frau triffst du den Mann fürs Leben, einen ganz netten, lieben, gutaussehenden, klugen Mann mit Seelentiefe und Einfühlvermögen, möglichst auch humorvoll und musikalisch,  und alles ergibt sich von ganz allein. Man heiratet, gründet eine Familie, du  ziehst die Kinder groß, dein Mann verdient das Geld und zusammen seid ihr einfach nur glücklich und zufrieden...

Die Filme, die ich im Kino oder Fernsehen sah, oder die Romane, die ich verschlang: alles untermauerte dieses romantisch-verklärte Bild von der lebenslangen, glücklichen Beziehung/Ehe/Partnerschaft...

Das Setting für diese Heile-Welt-Lüge am Ort meiner Kindheit und Jugend hätte nicht besser sein können: ringsumher nur Pfarrers- und Lehrersfamilien, alle gebildet, gut situiert, kultiviert, kinderreich und im klassischen Rollenmodell: Mann arbeitet, Frau ist zuhause, kümmert sich um Kinder und den Garten und um Einladungen, Gäste,  Singkreise, Ehrenämter, Kirche, Küche etc., das Leben ist bunt und fröhlich, man ist gut vernetzt mit den Nachbarn und Arbeitskollegen, trifft sich zum musizieren oder zum feiern, kurz: eine Insel der sorglosen Glückseligkeit.

Ich hab das gar nicht hinterfragt, weil es mir dort immer gut ging in dieser Heile-Welt-Geborgenheit.

Meinen Geschwistern ging es vermutlich so ähnlich, und doch haben sie den Sprung in die Welt, so wie sie wirklich ist, besser hinbekommen, oder sagen wir: mit weniger Krisen und Crashs.

Doch dazu später.

10.7.16 11:56, kommentieren

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Renatas Klarheiten

Kürzlich, als ich meine Schwester Dorle anläßlich ihres Geburtstages besuchte, sagte Franz, ihr Mann einmal zu mir, nachdem ich wieder einen meiner geistigen Ergüsse, eine dieser Mixturen aus Philosophie, Gesellschaftskritik, Weltfrust und schwarzem Humor abgelassen hatte, ich solle doch ein Buch schreiben mit dem Titel: Renatas Klarheiten.

Fand ich einen interessanten Vorschlag. Nun, für ein Buch reicht es erstmal nicht, aber vielleicht ist ein Blog ein guter Anfang.

Mit Facebook komme ich nicht gut klar, zuviele mischen mit, alles zu oberflächlich und zu sehr systemgesteuert. Und diese vielen Freundschaftsbekundungen finde ich irgendwie affig.

Persönliche Mails verschicken ist auch so eine Sache: man zwingt ja den anderen dazu, das zu lesen, was mich bewegt oder bekümmert oder vielleicht auch mal begeistert. Woher weiß ich, ob mein Adressat das jetzt überhaupt lesen will?

Ein Blog ermöglicht einem Kreis von Personen, die mir nahe stehen, ab und zu an meinem chaotischen, meist unspektakulären Leben teil zu nehmen, wenn sie es möchten, und nur dann. Ohne Zwang.

Mal sehen, wohin das führt...

10.7.16 11:02, kommentieren